Gottes Reich

Das Warten auf das kommende Reich Gottes steht im Mittelpunkt der Verkündigung und des Wirkens von Christoph Blumhardt. In einer Ansprache am 5.10.1898 sagt er von sich selber:

„Ich habe nie in meinem Leben etwas anderes beobachtet als das Reich Gottes, in meinen dummen und in meinen gescheiten Jahren. Schon von Kind auf habe ich nie etwas anderes gesucht als das Reich Gottes und habe deswegen auch ein ziemlich scharfes Auge. Ich habe das Reich Gottes gesucht, jetzt sehe ich es auch.“

In den Jahren nach 1896 gehörte die aufstrebende Sozialdemokratie zu dem, was Christoph Blumhardt als Wegbereiter des kommenden Reiches Gottes verstand – nicht als Partei, sondern als Volksbwegung von Menschen, die ihre menschlichen Bedürfnisse offen artikulieren können. Die Sozialdemokratie dieser Jahre war für Christoph Blumhardt deswegen auch eine Bewegung, die den gesellschaftlichen Frieden bringt. Das Reich Gottes ist also keine übernatürliche Größe in der fernen Zukunft, sondern eine neue Gesellschaftsform, die sich schon jetzt durchzusetzen beginnt und der die Menschheit den Boden bereiten kann.

„Heute ist schon etwas vom Reich Gottes angebrochen. Es ein Zeichen, dass ein Drängen Gottes im Menschen ist ins Humane, ins Menschliche hinein. Menschen lieben, Welt lieben, nichts verachten, nichts verdammen, nichts verwerfen: das ist Christus. Er ist und bleibt ganz Mensch; darum darf keiner einen Menschen verachten. Ich bin froh, dass man schon etwas auf diese Richtung gekommen ist.“ (Andacht zu Lk 2,34f am 12.4.1897)

Das also ist das Reich Gottes: Jeder Mensch kommt zu seinem Recht und die Menschheit lebt in Frieden miteinander. Keiner verletzt den anderen, auch nicht die Kreaturen inmitten der Schöpfung Gottes:

„Christus will ein Reich Gottes gründen, ein Menschenreich, in welchem jeder einzelne Mensch gewürdigt ist.“ (Predigt zu Joh 10,1-11 am 12.11.1899)

Was Christoph Blumhardt als das Reich Gottes während aller Jahre seines Schaffens verstanden hat, ist fest mit der Friedensbotschaft verbunden:

„Wie Jesus müssen wir mit aller Energie eine neue Zeit wollen. Mit diesem Wollen kommt schon ein neues Empfinden in uns hinein. Wir müssen fest für die neue Welt des Herrn Jesus dastehen, ganz konsequent! Also z.B. keine Waffen tragen! Denn Jesus will Frieden.“ (Andacht zu Sach 13,1, 9.5.1900)