Religionen

Christoph Blumhardt hat sich Zeit seines Lebens weit von der Konfessionalisierung distanziert; im Zentrum stand für ihn alleine die „Jesus-Religion“, also der persönliche Bezug des Glaubenden zu Jesus Christus. Damit war nicht das Ernstnehmen einer Dogmatik gemeint, sondern das Ernstnehmen des Menschen mit seinen Bedürfnissen. Die „Jesus-Religion“ war für ihn immer zugleich der Kampf für ein Menschenrecht.

Dies hatte auch zur Folge, dass er die Religion als Privatsache bezeichnete:

Was heißt ‚Religion ist Privatsache`? Antwort: Mein Verhältnis zu Gott geht niemand etwas an; es betrifft nur mich allein, und ich bin niemand Rechenschaft schuldig. Es soll niemand wagen, sich da hineinzumischen, auch Kirche und Staat nicht. Es ist ein gewisses Heiligtum. Komme ich zu Gott, so geht es, wie es steht in Offenbarung 2,17: Ich bekomme einen neuen Namen, ‚welchen niemand kennt als der, der ihn empfängt‘.“

Pointiert kann Christoph Blumhardt sagen:

Religion ist Nebensache; Gott ist Hauptsache.“ (30.8.1903)

Für das Zusammenleben in Bad Boll spielte dieses Selbstverständnis eine wesentliche Rolle:

Einstweilen liebt man noch seine Religion noch mehr als Gott. Darum hört man nie von einer Jesus-Religion reden; nein, man ist Lutheraner, Herrnhuter, Pietist, Methodist und anderes. – Auch bei uns in Bad Boll wollte es dazu kommen, zu einem Gemeindlein. Leider, leider haben wir das damals nicht gleich mit aller Gewalt unterdrückt. Und die, die jetzt noch denken, man hätte manches beim Alten lassen müssen, die kennen den Kampf des Glaubens nicht. Aber für eins bin ich sehr dankbar: Wir haben hier in Bad Boll immer die Lebenshoffnung für die Menschheit aufrecht erhalten; daran haben wir durchs Schwerste hindurch immer festgehalten.“ (31.8.1903)