Europa

Ausgehend von seiner scharfen Kritik am Nationalismus sowie an der Unterwerfung der Kolonien durch von Europa gehende Mächte thematisiert Christoph Blumhardt auch das Europa-Verständnis in seinen Briefen und Andachten: Eine von Europa ausgehende Mission, die Christianisierung mit einem Anschluss an europäische Errungenschaften gleichsetzt, bezeichnet er als überhaupt nicht „vollkommen“:

„Vollkommen muss es sein, wenn in jedem Volk das Wesen Gottes in Christus natürlich und wahr in eigener Sprache und Sitte hervorsprudelt, dass auch einmal wir Europäer lernen könnten und zu lebendigerem Wesen angespornt würden.“ (Brief an Missionar Johanssen, Usambara/Tansania, 29.7.1892).

In den Briefen an seine Tochter Salome und seinen Schwiegersohn Richard Wilhelm in China nimmt Christoph Blumhardt häufig sehr kritisch Stellung zur europäischen bzw. deutschen Kolonialpolitik seiner Zeit:

„Im Geist der Wahrheit betrachtet, begeht Europa ein Unrecht, in dieser Weise die Welt zu erobern, um Profit an ihr zu haben. Religionspolitisch tummeln wir uns unter den Völkern, als ob wir das größte Recht dazu hätten, und haben doch Unrecht.“ (Brief an seine Tochter Salome, 26.6.1900)